Sonntag, 23. Februar 2014

Mission Alpha - Folge 61 - Segnungen der Technik



Das Training im Forschungszentrum war hart. Manchmal verbrachten sie Stunden mit verbundenen Augen in diesem Tauchbecken, schwebend im Wasser bei 37 Grad, so dass die Körpergrenzen verschwanden.

Einmal hatte sich Geni ein ganzes Wochenende mit Lara und Chris in der kleinen Schaltzentrale eines Raumkreuzers aufhalten müssen. Dort herrschte Schwerelosigkeit und es waren verschiedene Steuerungsaufgaben zu erledigen. Beim Schlafen mussten sie sich abwechseln. Eigentlich durften keine Absprachen getroffen werden, aber sie hatten sich vorher heimlich geeinigt, sich gegenseitig in Ruhe zu lassen und kein überflüssiges Wort zu wechseln. Das hatten die drei ganz gut hingekriegt. In anderen Gruppen war es angeblich hoch hergegangen. Wegen der großen Ruhe bei ihrem Beisammensein hatten sie auch die Aufgaben mit Bestleistung gelöst. Nun standen sie anscheinend ziemlich hoch oben in der Liste der Auserwählten. Nicht dass die Entscheidung schon gefallen wäre. Und Geni war sich auch nicht sicher, ob sie wirklich ihr Leben bei diesem verrückten Einsatz riskieren wollte.
Heute war Redford da, der Leiter des Programms. Ein stattlicher Mann, nicht mehr jung, seine roten Haare waren an den Schläfen grau. Angeblich kamen seine Vorfahren aus Schottland. Er sprach gern mit den Auserwählten, wie Geni die Stipendiaten im Stillen nannte. Über Literatur, Filme, Hobbys, er kannte sich gut aus, war belesen und schien sich wirklich dafür zu interessieren, was man ihm erzählte. Geni beobachtete aus den Augenwinkeln, wie er sich mit Lara unterhielt, seine Hand legte sich auf Laras Arm und blieb eine Spur zu lange dort. Tja, kein Wunder. Lara war eine Schönheit, groß, schlank und anmutig, milchkaffeebraune Haut, das dunkle taillenlange Haar zu einem dicken Zopf geflochten, volle Lippen und ein unglaubliches Lächeln – wenn sie sich zum Lächeln hinreißen ließ, was nicht oft vorkam. Klug waren sie ja alle hier, aber Lara hatte praktisch ein fotografisches Gedächtnis. Was sie einmal gehört oder gelesen hatte, konnte sie jederzeit wieder ausspucken. Lernen konnte sie sich sparen. Ideal für ein Fach wie Biologie, das sie studierte.

Am nächsten Morgen schien sich Lara beruhigt zu haben. Chris holte für das gemeinsame Frühstück ein paar Proviantpäckchen aus seinem Rucksack. Geni füllte drei Wasserflaschen an der Quelle, die neben dem Lager sprudelte. Jeder hockte auf seinem Schlafsack, der bequem war wie eine Couch, fand Geni. Die Höhlendecke war nicht hoch, aber immerhin konnte auch Chris mit seinen eins neunzig noch stehen und gehen. Durch ein paar Spalten in der Decke fiel Licht herein – anscheinend war die Sonne über der Hochebene schon aufgegangen.
"Was habt ihr vor?", fragte Lara.
"Hier in der Gegend gibt es Uran", stellte Chris fest.
Lara nickte, das hatte ihr der Geigerzähler an ihrem Handgelenkt schon verraten.
"Ich werde es nicht in die Kartierung aufnehmen", sagte er. "Weiter unten gibt es Spuren von Eisenerz. Dass es in erreichbarer Nähe größere Vorkommen gibt, ist zwar nicht gesagt, aber irgendwo auf diesem Planeten finden wir zweifellos genügend Eisen für den Aufbau einer technischen Zivilisation."
Lara zuckte zusammen.
"Jetzt im Ernst, Lara", warf Geni ein. "Willst du wirklich, dass die Menschen hier weiter wie die Wilden leben? Aberglauben und das, was sie für Magie halten, geht zwangsläufig einher mit diesen primitiven Verhältnissen – jedenfalls solange wissenschaftliche Erklärungen für die Naturphänomene fehlen."
"Ihr habt recht", räumte Lara ein. "Warum sollten die Menschen nicht aus ihren Fehlern lernen. Vielleicht sehe ich zu schwarz."


Sonja Schuhmacher, Mission Alpha - Landung im Paradies, 138 Seiten, 0,99 Euro
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