Freitag, 21. Februar 2014

Mission Alpha - Folge 60 - Genis Liebe



"Keine schlechte Idee", meinte Lara. "Wir könnten aber auch versuchen, unser Leben friedlich und im Einklang mit der Natur zu Ende zu bringen."
"Völlig durchgeknallt", fand Chris. "Ich bin Wissenschaftler und habe hier einen Auftrag zu erfüllen, und wenn ihr eure Daten nicht liefern wollt, werde ich sie eben übermitteln, so gut ich kann."
"Chris, willst du wirklich, dass dieser Planet auch noch zugrunde geht?" Laras Stimme klang flehentlich.
"Denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht", flüsterte Geni. "Bevor ich hier allein sterbe, möchte ich lieber wieder zurück", fügte sie laut hinzu.

Es war ein Fehler gewesen, so offen zu sprechen. Lara fühlte sich plötzlich unendlich erschöpft. Die anderen begriffen nichts. Sie empfanden keine Verantwortung, sahen nicht, wie schön dieser Planet war. Zum Weinen schön. Wenn noch mehr Siedler hier eintrafen, besser ausgerüstet als ihre Vorgänger, dann würden sie ihn in wenigen Jahrhunderten in eine trostlose Wüste verwandeln. Er würde sich nicht mehr von der Heimat unterscheiden, aus der sie fliehen wollten. Dieses Paradies hatte die menschliche Natur nicht verändern können. Das hatten der Imran und seine Helfer bewiesen. Der Mensch blieb ein allzu geschicktes Tier, das nicht verstand, worum es ging. Es durfte nicht sein, dass weitere Siedler hierher kamen. Sie musste es verhindern.

Lara spinnt, dachte Geni, als sie in ihren Schlafsack kroch. Sie dachte daran zurück, wie sie gemeinsam trainiert hatten.

Mittags sah sie Lara in der Mensa. Sie saß an einem Tisch mit Chris und winkte ihr zu. Ob da wohl etwas lief? Eigentlich glaubte sie es nicht, Chris war ein Weiberheld und Lara wirkte wie eine Nonne. Aber das konnte täuschen. Auf Laras Einladung, sich zu ihnen zu setzen, schüttelte sie den Kopf. Denn auf sie wartete schon jemand. Ein engelgleiches Wesen, das französische Lyrik, Sartre und andere verstaubte Philosophen las. Sie hatten sich im ersten Semester kennengelernt und trafen sich seitdem jeden Tag. Wenn sie ganz ehrlich war, hätte Geni ihr Leben am liebsten mit Lena verbracht. Vielleicht war sie ja nicht normal. Egal, sie hätte es ohnehin nie gewagt, ihrer Freundin den Vorschlag zu machen.
Ihre Mutter war Professorin für slawische Sprachen und Kultur – eine Kultur, die es nicht mehr gab. Weite Teile Osteuropas und Asiens waren unrettbar verstrahlt.
Ihre Eltern waren, selbst noch Kinder, in der Enklave abgegeben worden, und weil sie gesund waren, durften sie bleiben. Sie hatten sich schon im Kinderheim kennengelernt und waren immer zusammengesteckt, weil sie Russisch miteinander sprechen konnten. So blieb es auch, nachdem sie beide Deutsch und Englisch gelernt hatten. Und schließlich hatten sie geheiratet und neben Geni noch drei Töchter bekommen. Erstaunlicherweise waren sie alle gesund, die ganze Familie. Vielleicht genetisch resistent gegen die Strahlung.
Nach der Mittagspause hatten sie noch ein Praktikum im Innenministerium. Wirklich Einblick bekam sie dort nicht – nur Anschauungsunterricht in Geheimhaltung.
Und anschließend radelte sie zum Forschungszentrum, schließlich waren die Werte draußen immer noch unbedenklich. Es war Frühling, lange hell, also konnte sie auch ohne weiteres mit dem Rad wieder nach Hause fahren. Dort würde Lena mit dem Abendessen auf sie warten. Wenn Lena bei ihr übernachtete, teilten sie sich ein Bett. Aber außer Kuscheln passierte nichts. Nur manchmal hatte sie wilde Träume – sie wurde rot, wenn sie daran dachte.


Sonja Schuhmacher, Mission Alpha - Landung im Paradies, 138 Seiten, 0,99 Euro
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