Sonntag, 16. Februar 2014

Mission Alpha - der Serienroman - Folge 56



Der Spuk war so schnell vorbei, wie er gekommen war. Das Gewitter zog ab, der Donner grollte noch aus der Ferne, der Regen ließ allmählich nach, der Wind besänftigte sich. Zwischen den Wolken lugten sogar wieder ein paar Sterne und eine Mondsichel hervor.
Wie lange mochte es noch bis zum Sonnenaufgang sein? Im Dunkeln konnte Lara nicht aufbrechen. Wenn sie sich bei einem falschen Schritt auch nur den Knöchel verstauchte, war alles aus.

Aber immerhin hatte sie das ersehnte Wasser bekommen, wenn auch nicht in der erhofften Form und Fülle. Der Stoff des Umhangs hatte eine Mulde gebildet, in der sich ein wenig Wasser gesammelt hatte, das sie nun vorsichtig trank. Wenn sie es richtig anstellte, konnte sie vielleicht auch etwas von dem Wasser retten, das in ihren Schlafsack geflossen war. Sie kroch heraus, nahm eine leere Flasche aus ihrem Gepäck und versuchte mit mäßigem Erfolg, Wasser hineinzufüllen. Nun ging es nur darum, bis zum Morgen halbwegs warm zu bleiben. Essen konnte da nicht schaden, also holte sie ein Päckchen aus dem Rucksack, riss es auf und steckte sich einen der wohlschmeckenden Würfel in den Mund. Immer noch unkontrolliert zitternd verspeiste sie den ganzen Inhalt und trank Regenwasser dazu.
Dann schüttelte sie Umhang und Schlafsack aus, so gut es ging. Sie konnte nur staunen über die Stabilität des Materials. Die scharfen Steine, auf denen sie genächtigt hatte, konnten ihm nichts anhaben. Und auch ihre Kleidung bewährte sich wieder einmal, das Taucheranzugprinzip sorgte dafür, dass sich das eingedrungene Wasser erwärmte, und als sie wieder in den Schlafsack gekrochen war und ihn zugezogen hatte, wurde ihr allmählich warm und sie konnte sogar mit einem wohligen Gefühl der Sättigung einschlafen.

Die Sonne stand schon ein ganzes Stück über dem Horizont, als sie erwachte. Und weil sie ihren Strahlen ausgesetzt war, lief ihr der Schweiß übers Gesicht. Jeder Vorteil, den das nächtliche Gewitter gebracht haben mochte, war dahin. Ärgerlich stand sie auf, packte ihre Sachen zusammen und machte sich auf den Weg. Bald plagte sie wieder der Durst. Das gesammelte Regenwasser hatte sie nachts zu ihrer Mahlzeit getrunken. Den Rest wollte sie nicht so schnell angreifen. Wenigstens fand sie immer noch die Wegmarkierungen, die Chris hinterlassen hatte. An der nächsten Markierung blieb sie stehen, nahm einige kleine Schlucke und kämpfte den Drang nieder, die ganze Flasche zu leeren. Ringsum sah sie nichts als blauen Himmel und steinige Einöde, über der die Luft flimmerte. Hier herrschte eine Stille, wie sie nur im Hochgebirge wahrzunehmen ist. In der Ferne ragten schneebedeckte Gipfel empor. Wie hatte Chris nur auf die hirnverbrannte Idee kommen können, in diese Richtung zu wandern?
Da hörte sie ein leises Piepsen. Diesmal waren es nicht die Murmeltiere. Auch Vögel hatten sich nicht hierher verirrt. Es war der Geigerzähler. Sie warf einen Blick darauf. Offenbar registrierte er schon seit längerem Strahlenbelastung, aber erst jetzt war eine Grenze erreicht, die das Warnsignal auslöste. Ihr erster Gedanke war: Also hat sich die Kontamination doch bis hierher ausgebreitet. Quatsch, sie befand sich ja nicht mehr auf der Erde, oder auf Terra, wie Redford es so schön ausdrückte. Gab es hier etwa natürliche Radioaktivität, womöglich Uranvorkommen? Oder hatten andere Siedler bereits einen Vorstoß zur Verseuchung dieser Welt unternommen? Sie schauderte. Ob die Atemluft radioaktiv war oder nur das Gestein, womöglich der Staub, konnte sie nicht beurteilen. Sicherheitshalber holte sie aber die Atemmaske heraus, die sie im Gepäck hatte, und setzte sie auf.


Sonja Schuhmacher, Mission Alpha - Landung im Paradies, 138 Seiten, 0,99 Euro
bei Thalia: tinyurl.com/ne9lya6
bei PagePlace: http://tinyurl.com/owrr8d9
bei itunes:
bei googleplay:  
bei amazon: http://tinyurl.com/nq4gr9b


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen