Donnerstag, 13. Februar 2014

Mission Alpha - der Serienroman - Folge 54



Vermutlich hatte Chris sehr viel mehr Wasserflaschen bei sich, denn sonst hätte er wohl kaum den entbehrungsreichen Weg oberhalb der Baumgrenze eingeschlagen. Ein Weg, auf dem er offenbar fündig geworden war. Bei ihrem letzten und vorvorletzten Rastplatz hatte sie unter Dorngebüsch Säcke mit Gesteinsproben gefunden. Bestimmt hatte er vor, sie auf dem Rückweg wieder einzusammeln und sie zu seiner Raumkapsel zu schleppen. Lara hatte sich die Zeit genommen, deren Inhalt ein Stück bergab den Hang hinunterkullern zu lassen und die leeren Säcke in ihren Rucksack zu stopfen. Kindisch war das, fand sie, aber sie wusste keinen anderen Rat.

Jetzt hörte sie ein Pfeifen. Lächelnd hielt sie Ausschau nach den Gesellen, die ihre Artgenossen mit diesem Signal auf Laras Eintreffen aufmerksam machten. Dann erspähte sie kleine braune Gestalten auf dem Berghang gut hundert Meter oberhalb. Wieder ertönte das Pfeifen. Kurze Zeit später waren alle untergetaucht.
Den Rucksack hatte sie abgelegt. Sie bückte sich, holte eine der vier vollen Wasserflaschen heraus und nahm einen Schluck. Bei Wassermangel sollte man das Salz auf der eigenen Haut ablecken, hatte sie in der Schule gelernt, in Ernährungskunde, ein wichtiges Fach in einer Welt, in der alles knapp war. Die Lehrerin war eine zarte Person gewesen mit dunklen Haaren und einer sanften Stimme, die ihrer pubertierenden Schülerinnen nicht immer Herr wurde. Irgendwann war sie kommentarlos verschwunden, der Unterricht fiel für den Rest des Jahres aus. Sie hatte die Krankheit, wurde gemunkelt. Lara schauderte. Die Angst vor der Krankheit, die Angst vor den regelmäßigen Untersuchungen überfiel sie schlagartig. Nein, niemals, niemals wollte sie dorthin zurückkehren.
Der Himmel war strahlend blau, doch der kalte Wind täuschte über die Kraft der Sonne hinweg. Sie nahm den Rucksack wieder auf, legte den Umhang um die Schultern und zog sich die Kapuze über den Kopf, um sich vor der erbarmungslosen Sonne zu schützen. Sie leckte sich über ihren Handrücken. Salzig. Im Notfall würde sie es versuchen. Seltsam, dieser Überlebenswille, dachte sie. So oft schon hatte sie geglaubt, des Lebens überdrüssig zu sein, aber irgendetwas trieb sie immer weiter. Was war es jetzt? Die Liebe zu dieser unberührten Welt? Der Wunsch, sie zu schützen? Oder doch der Kuss, der immer noch auf ihren Lippen brannte? Diese Tür war erst einmal zugefallen. Sie war weggelaufen, wieder einmal. Aber diesmal war es nicht nur Selbstschutz gewesen. Sie durfte die Dinge nicht laufen lassen. Sie musste die anderen finden.
Sie ließ den Blick über die Ödnis schweifen, dann stieg sie in die Richtung ab, die der von Chris auf den Stein gemalte Pfeil wies.


Sonja Schuhmacher, Mission Alpha - Landung im Paradies, 138 Seiten, 0,99 Euro
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