Montag, 3. Februar 2014

Mission Alpha - der Serienroman - Folge 44



Der Pfad der Fischer führte an dem Becken entlang. Lara kniete nieder und tauchte die Hand in das kühle, klare Wasser. Ob sie es riskieren durfte? Rasch versteckte sie ihren Proviantbeutel in den Büschen neben dem Pfad, zog sich aus und stieg ins Wasser. Fische huschten dunklen Schatten gleich über den felsigen Grund. Sie tauchte ganz ein, stieß sich ab und durchmaß mit kraftvollen Schwimmbewegungen gegen die Strömung ankämpfend das Becken. Am anderen Ufer ruhte sie kurz aus und ließ den Blick über das paradiesische Panorama schweifen. Wenn ich einmal alt bin, schoss es ihr durch den Kopf, baue ich mir hier eine Hütte. – Was war das für ein Gedanke? Sie kicherte. Warum hatte sie sich früher nie vorgestellt, wie sie im Alter leben wollte? Weil sie angenommen hatte, jung zu sterben?

Nach dem Bad legte sie den schwarzen Anzug, den sie am Ufer zurückgelassen hatte, sorgfältig zusammen, holte ihr Lederkleid aus dem Beutel und zog es an. Anzug und Gürtel verstaute sie im Beutel. Mit der Tonflasche schöpfte sie Wasser für den weiteren Weg aus dem Becken.
Erfrischt machte sie sich an den Aufstieg. Der Pfad der Fischer zog sich in einem Zickzackmuster über die Steilwand, die am Vormittag noch Sonne gehabt haben mochte, jetzt aber im Schatten lag. Da bemerkte sie die dunklen Gestalten, die hier Zuflucht suchten. Ziegen, stellte sie erstaunt fest. Sie standen auf schmalen Felsvorsprüngen und machten hier wohl ein Nickerchen.
Von der felsigen Abbruchkante aus bot sich ihr ein Blick auf den Fluss, der sich auf die Steilwand zuschlängelte. Der Fremdkörper am Ufer war nicht zu übersehen. Auf einer Kiesbank glänzte eine schwarze Kuppel, wohl zehn Meter im Durchmesser, in der Nachmittagssonne. Sie nahm den Pfad, der am Wald entlang zum Fluss führte. Von oben hörte sie ein Kreischen. In den Bäumen sah sie Affen turnen. Über den Kiesstreifen, der hier das Ufer säumte, gelangte sie bis zum Standort der Kuppel. Ein Glück, dass auch an diesem Nebenlauf eine Furt mit flachen Trittsteinen angelegt war, sonst wäre der Weg zu dem Objekt sehr viel mühsamer gewesen.
Sie umrundete die Kuppel, die auf kurzen Beinen thronte. Offenbar hatten sie sich in der Länge dem Untergrund so angepasst, dass die Kapsel völlig waagerecht stand. Kapsel – das schien ihr die richtige Bezeichnung für dieses Ding, das ihr seltsam vertraut vorkam. War sie etwa damit in diese neue Welt gekommen? Aber aus irgendeinem Grund war sie ausgerechnet über dem Meer abgesprungen? Die Oberfläche war makellos und abweisend glatt. Kein Eingang, kein Fenster zeichnete sich ab. Aber es musste eine Möglichkeit geben hineinzugelangen. Sie ließ die Finger über das kühle Metall gleiten. Genau in der Mitte zwischen zweien der acht Beine blieb sie stehen. Sie hatte eine Unebenheit ertastet, die für das Auge kaum wahrnehmbar war. Einer Eingebung folgend klopfte sie dagegen. Dreimal kurz, dreimal lang. Ein eingeübter Rhythmus. Geräuschlos klappte das Rechteck nach unten und offenbarte an der Innenseite einen Screen mit Zahlenblock. Sie kannte den Code. Ihre Finger erinnerten sich. Ein sternförmiges Muster, bei der Neun beginnend. Sie tippte ihn ein, danach zeigte der nun grün leuchtende Screen das Symbol einer Hand, und sie legte die linke Hand darauf; einige bange Sekunden später klappte ein quadratisches Element nach unten und der Zahlenblock verschwand. Eine Leiter wurde ausgefahren.
Ohne Zögern stieg sie ins Innere der Kapsel. Kaum war sie auf der kleinen Plattform am oberen Ende der Leiter angelangt, schloss sich der Eingang wieder ebenso lautlos wie er sich geöffnet hatte. Zunächst sah sie gar nichts. Sie schloss die Augen, bekämpfte die Panik, die in ihr aufstieg. Ruhig und gleichmäßig atmen, sagte sie sich. Als sie die Augen wieder aufschlug, konnte sie im matten Licht kleiner in die Wand eingelassener Lampen ihre Umgebung erkennen.
Ein Raum, der gerade genug Platz zum Stehen bot – für einen, höchstens zwei Menschen. Alle Wände waren aus glattem dunklem Metall. Ein Torbogen zeichnete sich ab. Sie streckte die Hand aus, und noch bevor sie die Tür berührte, schob sie sich lautlos auf. Ein Bewegungsmelder, wahrscheinlich reagierte er auf Wärme. Sie trat in den nächsten Raum, in dem nun ebenfalls kleine Leuchten angingen. Hinter ihr glitt die Tür wieder zu. Ein Sessel, der an einen Zahnarztstuhl erinnerte, füllte den Raum fast ganz aus.

Sonja Schuhmacher, Mission Alpha - Landung im Paradies, 138 Seiten, 0,99 Euro
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