Freitag, 17. Januar 2014

Mission Alpha - der Serienroman - Folge 25



Hector lachte. "Dann kneble ich dich und trage dich über der Schulter weg. Vielleicht stecke ich dich vorher noch in einen Sack."
Also doch. Sie war eine gute Läuferin, noch dazu bergab. Aber er hatte längere Beine und kannte hier wahrscheinlich jeden Stein und jede Wurzel. Wie dumm, dass sie das Messer in dem Säckchen gelassen hatte. Andererseits, wenn er vorhatte, sie zu vergewaltigen, brauchte er doch keine langen Vorreden zu halten? Oder glaubte er, sie würde sich freiwillig auf ein Abenteuer mit ihm einlassen? Und wollte sich daher als ihr "Retter" aufspielen?
Sie musste Zeit gewinnen. Reden, Redekur.

 "Warum soll es denn jetzt gefährlicher sein als gestern?"
"Es ist nicht gefährlicher. Ich habe nur gemerkt, dass ich dich mag und ich mir Sorgen um dich mache."
Ihr Herz pochte. "Und um dich machst du dir keine Sorgen?"
"An mich wagen sie sich nicht ran. Meine Leute halten zu mir."
"Also fürchten sie dich? Das ist womöglich noch schlimmer. Du könntest deine Leute aufstacheln." Einen Volksaufstand live mitzuerleben wäre natürlich für ihre Studien höchst aufschlussreich. Aber zu viel des Guten ist ungesund.
"Das würde ich nicht riskieren."
"Du hättest aber allen Grund dazu, oder?"
Er schwieg.
"Du verachtest den Imran und verabscheust das Gesindel, mit dem er sich umgibt. Stimmt’s?"
"Sei vorsichtig mit dem, was du sagst."
"Du glaubst, er hat seine Spione überall?"
"Man kann es nicht ausschließen."
Sie hatten das Flussufer erreicht. Edinburgh kam in Sicht.
Er stellte sich ihr in den Weg. "Komm mit mir. Ich bringe dich in Sicherheit."
"Ich glaube nicht an deine edlen Absichten." Sie ärgerte sich über ihre Stimme, die zittrig klang.
Er sah ihr in die Augen. "Vertrau mir. Ich will dir nichts tun. Ich möchte dich beschützen."
Ihr wurde flau im Magen. Sie musste es riskieren. Über ihrem Kopf kreischte ein Papagei, sie blickte auf. Er ebenso. Sie ergriff die Chance, huschte an ihm vorbei und flitzte den Weg hinunter.
Mit drei Sätzen hatte er sie eingeholt. Als er sie packte, musste sie an den schwarzen Panther denken, der sich auf seine Beute stürzt. Ihren Schrei erstickte er mit seiner Hand. Sie zappelte hilflos in seinem Klammergriff.
"Du bist wirklich eine Nummer", flüsterte er ihr ins Ohr. "Nimm doch dein bisschen Verstand zusammen und wehr dich nicht."
Na klar. Ihre Wut wurde noch größer, als sie spürte, dass ihr Körper auf ihn reagierte. Sie versetzte ihm einen Tritt gegen das Schienbein.
"Geni, ich will dir wirklich nichts tun", sagte er nun fast ärgerlich. "Bitte sei vernünftig und lass mich erklären . . ."
"Ergreift ihn", schrillte eine Stimme. Geni zuckte zusammen. Es war Ru. Im nächsten Augenblick stürmten zwei bullige Männer aus dem Gebüsch. Geni kannte sie, es waren Rus Gehilfen aus dem Folterkeller. Sie schwangen gewaltige Holzkeulen.
Hector ließ Geni los und stieß sie so heftig weg, dass sie ein, zwei Meter entfernt zu Boden ging. Im selben Augenblick duckte er sich unter einem Keulenschlag weg und rammte den Angreifer mit dem Kopf in der Magengegend, so dass er zurücktaumelte. Der andere stürzte sich unterdessen von hinten auf Hector, der aber, als hätte er Augen am Hinterkopf, auswich, dem ersten Muskelkoloss einen Tritt versetzte und dem zweiten einen Kinnhaken verpasste. Die beiden Haudegen schien das nicht weiter zu stören. Sie hoben erneut ihre Keulen, deren Schlag zweifellos tödlich gewesen wäre, hätte er Hector am Kopf getroffen. Aber wieder duckte er sich mit einer Behendigkeit, die Geni nur bewundern konnte, und die beiden Keulen krachten aufeinander. Dem ins Wanken geratenen Rotbart verpasste Hector einen Handkantenhieb in die Kniekehle, so dass er zusammensackte. Geni musste sich nun ehrlich eingestehen, dass sie körperlich gegen Hector keine Chance gehabt hätte. Bei ihrer Gefangennahme hatte sie mit dem Fußtritt, der ihn traf, wo es den Mann am meisten schmerzt, einfach einen Glückstreffer gelandet. Doch als Hector gerade in Stellung ging und mit einem kleinen provokativen Winken seine Gegner anlocken wollte, zuckte er plötzlich zusammen und kam ins Wanken, als wäre ihm schwindlig. Aus seiner Schulter ragte ein kleiner Pfeil. Genis Blick wanderte zu Ru, deren Kopf aus dem Gebüsch ragte. Sie hielt ein Blasrohr an den Mund. Geni fand, es sei an der Zeit zu verschwinden.

Sonja Schuhmacher, Mission Alpha - Landung im Paradies, 138 Seiten, 0,99 Euro
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