Montag, 7. Oktober 2013

Tagebuch II - von Hunden und Büchern



Die Bloggerin schafft es immer noch nicht (richtig) zu bloggen, geschweige denn zu lesen und sich irgendwie darüber zu äußern. Also noch mal ein Griff in die Kiste des letzten Sommers:



Mi 3. Juli 3013 Auf dem Sofa liegend der Entschluss, meine Schreibblockade zu überwinden. Nur vorher eine kleine Radltour, um den Abendhimmel zu bestaunen. 20.15 Alle hocken vor der Glotze. Nur zwei Frauen mit Dackel sind unterwegs, und einige übergewichtige Rollschuhfahrer auf dem Festplatz. Dafür wurden Acker und Wiesen asphaltiert. 


Do 4. Juli Gerade lese ich im Protokoll des Kollektiv Druck-Reif die Wörter „Zwang“ und „Pflicht“: der „Zwang“, Aufträge mit bedürftigen Kollektivisten zu teilen, die „Pflicht“, Aufträge umgehend per e-mail zu melden. Und merke, dass sich sofort mein Widerstandsgeist regt. Der ewige Zwiespalt, die Freundschaft nach so vielen Jahren der Zusammenarbeit, und dann plötzlich wieder die Angst, kontrolliert zu werden. Der lange Überdruss am Übersetzen. Als hätte ich das vor Jahren vorausgeahnt, als ich überlegt habe, ob ich das wirklich mein Leben lang machen will.



Fr 5. Juli Gestern ist mir ein Mann begegnet mit einer kleinen „Zicke“, wie er sagt, von Hund. Wir sprachen über den Tierfriedhof. Und wie aufwendig die Leute die Gräber schmücken. Zehn Jahre habe er keinen Hund gehabt, sagt er, weil seine Frau nicht noch einmal das Sterben eines Hundes erleben wollte. Inzwischen ist die Frau gestorben. Und er hat wieder einen Hund.



Sa 6. Juli Weiß eigentlich jemand, wie schrecklich es ist zu schreiben. Wie schrecklich es ist, nicht zu schreiben. Ich erinnere mich an einen Film über Dashiell Hammett, wie er das leere Papier in die Schreibmaschine einspannt und anfängt zu tippen. Was ich den Autoren, die ich übersetze, nie zugute halte: Sie haben es geschafft, die leere Seite zu füllen, den leeren Bildschirm,wenigstens das.
Vor drei Tagen hab ich angefangen weiterzuschreiben. Mit Madeleine und Wolf unterwegs.
“Wenn ich Gysi reden höre, möchte ich immer die Linken wählen“, sage ich zu K., der auf der Couch liegt und den Spiegel liest. Hohlspiegel: „UNESCO erklärt Marx zum Weltkulturerbe. Jetzt möchte Gysi die Kanzlerin an seinem Grab sehen.“

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