Donnerstag, 4. Juli 2013

Tagebuch Mai/Juni




Teil einer Erklärung, warum dieser Blog seit zwei Monaten auf Eis liegt, oder wenigstens ein kleiner Einblick, was die Bloggerin so gemacht hat, statt zu bloggen:

Do 13. Juni Ayla liegt im Sonnenfleck auf dem Yoga-Teppich. Nur wenn sie gnädig ist, kommt sie unter den Tisch und wärmt meine Füße. Obwohl auch da ein gleich schöner Wollteppich liegt. Vernünftigerweise sonnt sie nur ihren Körper, nicht ihren Kopf.
Schockiert stelle ich fest, wie Obama in der Davis-Affäre gelogen hat. Raymond Davis, Ex-Elitesoldat und CIA-Agent, hat in Lahore zwei junge Männer auf offener Straße niedergeschossen, in den Rücken.
Die Ehefrau eines der Ermordeten tötet sich, Gerechtigkeit fordernd, mit Rattengift. Und Obama behauptet, Davis sei „Diplomat“ und müsse „diplomatische Immunität“ genießen.

12. Juni Gerade habe ich ausgerechnet, wie viel Geld auf meinem Konto eintrudeln müsste nach dem großen Übersetzungs-Kraftakt der letzten zwei Monate – unter dem auch dieser Blog gelitten hat. Ich habe eine reale Chance im Juli ins Plus zu kommen. Angesichts dieser Aussicht sitze ich wie betäubt da. Erst um halb zehn raffe ich mich auf, werfe Gemüse in die Pfanne und die in Chiliöl eingelegten Sojawürfel , ergänzt durch Reis und Ananas aus der Dose, für ein spätes Abendessen.

6. Juni Der zweite Sonnentag, zum ersten Mal sitze ich wieder im Garten. Drohnenkrieg Obamas in Pakistan, ein Dorf wird beschossen, Dutzende Menschen sterben. Der Taliban, den sie kriegen wollten, ist nicht darunter. Zwölfmal werden Orte bombardiert, an denen er sich angeblich aufhält.

5. Juni Wieder um zwei aufgewacht, trotz Entspannungstechnik hellwach, halbe Schlaftablette eingeworfen. Quälende Sorge um die Menschheit, als wenn das etwas ändern würde. Dann nach einem erquicklichen Schlaf raus in den strahlenden Morgen mit Ayla zu unserem Bach geradelt, der Weg ist (fast) passierbar, wenn man nasse Füße in Kauf nimmt. Jetzt sitze ich wieder da und übersetze dieses geniale Buch Give and Take von Grant.
17 Uhr, jetzt fängt die Abendschicht an, schöner wär’s am Weiher. Stattdessen gegenlesend Rückkehr zu den Dirty Wars.

21. Mai Schlecht geschlafen, schreibunfähig, übersetzungsuntauglich, deswegen beschäftige ich mit den Anmerkungen zu Scahills Buch über die schmutzigen Kriege, bringe den Zeichensalat, der bei der Umwandlung aus pdf entsteht, in eine lesbare Form. Bringt auch was im mühseligen Alltag als Packesel der Kultur.

1 Kommentar:

  1. "Packesel der Kultur" - eine schöne Metapher für das, was wir so treiben. Liebe Grüße aus von der Leipziger Messe aus dem Maschinenraum von WorldSkills-TV!

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