Donnerstag, 11. April 2013

Katharsia - phantastischer Roman von Jürgen Magister




"Feigling!" "Hasenscharte!" Mit diesen Spottrufen wird Sando von den anderen Kindern gequält. Am schlimmsten treibt es ihr Anführer Mike Lemming. Sando, der Einzelgänger  zieht sich oft ans Ufer des Schwarzen Sees zurück. Außerdem findet er Trost im Klavierspiel – und bei seiner angebeteten Klavierlehrerin Maria, die zugleich seine Patentante ist. Sie lädt den Vierzehnjährigen sogar zu einer Marokkoreise ein. Die verläuft aber anders als geplant und stürzt beide aus der allzu realen Gegenwart in ein – jenseitiges – Fantasy-Abenteuer ...



Zum Inhalt:
Ein hochbrisantes Thema greift dieses Jugendbuch auf (das sicher auch viele Erwachsene gern lesen). Die allgegenwärtige Gewalt, die unter dem Vorwand der Religion, des Kommunismus, des Faschismus oder gar der Verteidigung der Freiheit die einen zu Mördern und die anderen zu Opfern macht. Wie wäre es aber, wenn es ein Leben nach dem Tod gäbe, in einer Parallelwelt, die den Opfern Zuflucht bietet und die Täter ihrer gerechten Strafe zuführt? In Jürgen Magisters Roman gibt es eine solche Welt, und sie heißt Katharsia.
Hier findet sich Sando nach seiner missglückten Reise durch die Wüste wieder – allerdings ohne seine schöne Reisebegleiterin. Von Maria ist ihm als Andenken nur ein Medaillon mit dem Bildnis der Sixtinischen Madonna geblieben, einem Meisterwerk Raffaels, das der Klaviervirtuosin verblüffend ähnelt. Also macht er sich auf die Suche nach seiner Reisegefährtin und dabei muss er bald feststellen, dass er keineswegs in einem Paradies gelandet ist.
In Katharsia gibt es schwere Konflikte – zum Beispiel um Retamin, eine Art Wundermittel, das den Seelen Körper verleiht und auch sonst allerhand zaubern kann. Außerdem löst die Frage, ob die Seelen der Verdammten eine zweite Chance bekommen sollen, heftige Debatten aus. Und schließlich entbrennt ein Kampf um die politische Macht, in den Sando hineingezogen wird.
Auch seinem alten Widersacher Mike Lemming begegnet Sando, und der ist durch seinen Aufenthalt in Katharsia keineswegs geläutert, sondern verfolgt ihn unnachgiebig. Nicht zuletzt lernt er Ben, Achmed und Gregor kennen, drei Jungen, die 900 Jahre zuvor dem Massaker der Kreuzritter in Jerusalem zum Opfer gefallen waren und immer noch keinen Frieden gefunden haben. Und Sando entdeckt eine besondere Fähigkeit bei sich, die ihm im Machtspiel um die Zukunft Katharsias eine Schlüsselrolle zuweist – er kann mit körperlosen Seelen sprechen ...

Mein Eindruck:
Mich hat der Roman fasziniert, auch weil er historische Ereignisse in eine spannende Handlung packt. Letztlich haben mich als Leserin die Fragen bei der Stange gehalten, die diese Fantasy-Story aufwirft – nach Recht und Gerechtigkeit, Rache, Schuld, Opferschutz, den großen Verbrechen und Verbrechern der Menschheitsgeschichte (von denen uns ein Exemplar recht plastisch vor Augen geführt wird). Die Geschichte hat also phantastische Elemente, bleibt aber in dieser Welt mit ihren realen Schrecknissen verwurzelt.
Die Spannung kommt nicht zu kurz, während aber Sandos Reise anfangs eher gemächlich abläuft, gewinnt sie in der zweiten Romanhälfte deutlich an Fahrt und der Spannungsbogen schnellt in die Höhe, so dass man das Buch – oder besser gesagt eBook – kaum mehr aus der Hand legen möchte.

Jürgen Magister, Katharsia, 733 Seiten, 9,99 Euro

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