Donnerstag, 14. März 2013

Seiner Exzellenz Erben - ein Roman von Vera Jürgens



Georg glaubt, mit seinen 84 Jahren am Ende seines Lebensweges angekommen zu sein. Er möchte endlich seine innere Ruhe finden, und meint, das könne „nur geschehen, wenn ich diesen Sommer mit meinen vier Enkelkindern verbringe“. Weil Georg vorhat, den vier jungen Leuten einen größeren Betrag zu hinterlassen, tanzen sie an. Darunter auch Sophie, Georgs Lieblingsenkelin, die zwar ihren Großvater liebt, ihre Cousins und die Cousine allerdings verabscheut – „groß und gutaussehend, aber leider geistig etwas zurückgeblieben“ ist noch eines der freundlicheren Urteile, die sie über ihre Konkurrenten fällt ...



Zum Inhalt
Opa Georg hat sich einiges einfallen lassen, um seinen erbwilligen Enkeln eine etwas verspätete Erziehung angedeihen zu lassen: Haushälterin und Gärtner hat er in den Urlaub geschickt, Sophie und Tanja, Tobias und Fabian müssen deren Pflichten übernehmen. Aber es kommt noch schlimmer: Alkohol ist ganz gestrichen, Nikotin wird rationiert, die Fernsehgeräte hat Georg verschenkt. Außerdem gibt es Ausgehverbot. „Der Alte spinnt total“, lautet der Kommentar des Medizinstudenten Tobias, aber weil keiner der vier leer ausgehen will, wenn die Erbschaft verteilt wird, bleiben sie und fügen sich, trinken Kräutertee, mähen den Rasen und sprechen Tischgebete. Hier prallen zwei Welten aufeinander, man nennt es auch Generationenkonflikt. Alle Seiten kommen zu Wort, nicht zuletzt Georg, der seine Enkel mit den ewig gleichen Geschichten aus der Nachkriegszeit nervt. Doch als Sophie eines Tages im Keller nach Liebesromanen sucht, macht sie eine erstaunliche Entdeckung ...

Mein Eindruck
Dieser Roman lebt von den Wechselfällen der Handlung, den Ideen der Autorin oder – wenn man so will – des Großvaters, der sich immer wieder etwas Neues einfallen lässt, um seine schlecht erzogenen Enkel zu überraschen, zu quälen, zu verwöhnen. In der Erzählperspektive springt Vera Jürgens von Person zu Person, und ich muss zugeben, dass ich ungefähr nach dem fünften inneren Monolog Georgs, der um die immer gleichen Fragen und Probleme kreist, das Buch beinah „weggelegt“ hätte. Doch dann kam eine gelungene Wendung: Fabian, der Boshafte, schreibt einen stilistisch herrlich altmodischen Brief an Sophie – ab da hat’s wieder Spaß gemacht. Was mir gefallen hat: Die Berechnung, die Geldgier der Hauptpersonen wird nicht beschönigt, und trotzdem ist überzeugend dargestellt, wie sie sich allmählich annähern.

Vera Jürgens, Seiner Exzellenz Erben, ca. 211 Seiten, 2,99 Euro 

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