Samstag, 9. März 2013

Sturmtrupp Blau - ein Sci-Fi-Abenteuer von Janco Weiland



"Jeder bezahlt, der sich mir in den Weg stellt" – lautet der Kommentar von Arkansas Johnston, einem wahren Helden der Zukunft. Es ist eine Kampfansage gegen einen raffinierten Terroristen, der das – relativ harmonische –  Zusammenleben der Marsianer bedroht. Janco Weiß, der Autor des witzigen, temporeichen Science-Fiction Sturmtrupp Blau, hat einen Helden in die Welt gesetzt, der das Leser(innen)herz erfreut. Stets cool, gutaussehend und gut gebaut, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen schlägt er sich in einer Zukunft durch, die uns allen blühen könnte ...
Die moderne Technik macht die Menschheit wunschlos glücklich  – jeder ist stets in ein allgegenwärtiges Internet eingeloggt, den Stream, Nanoteilchen wachen im Körper über die Gesundheit, als Verkehrsmittel dienen eine Art Taxis, die sich blitzschnell und lautlos von A nach B bewegen. Aber das Idyll wird durch einige Aussteiger gestört, und der Ermittler Arkansas Johnston bekommt einen Auftrag, der ihn mehr als verblüfft.

Zum Inhalt:
Der Tracer Arkansas Johnston, Veteran aus den Ressourcenkriegen auf Terra,  verdient sich seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht, indem er vermisste Personen aufspürt. Bei der Arbeit entdeckt er zufällig, dass auf einer Farm im Outback des dünn besiedelten Mars eine ganze Familie ermordet wurde. Daraufhin reißt der Strom seltsamer Ereignisse nicht ab. Zu seinem größten Erstaunen wird er vom marsianischen MSS angeworben, einem Mittelding aus Polizei und Geheimdienst und somit "das personifizierte Feindbild eines jeden zweiten Marsianers". Von der guten Bezahlung gelockt lässt er sich auf die Spur von "Outloggern" ansetzen, die sich aus dem allgegenwärtigen Internet des Planeten abgemeldet haben und untergetaucht sind. Als Partnerin begleitet ihn fortan die bildhübsche, aber reichlich unterkühlte Sydney.
Nicht nur die superkluge, superstarke Syd steht dem Ermittler in diesem phantastischen Thriller bei, auch seine einstige Kampfgefährtin Ti, eine schöne Latina, unterstützt ihn nach besten Kräften auf der wilden Jagd nach einem Gegenspieler, der seinen Jägern scheinbar immer einen Schritt voraus ist.
Nun ja, und die Liebe? Mit einem coolen Helden, hin und her gerissen zwischen Freundschaft, Liebe und Sex – und zwischen zwei recht unterschiedlichen Frauen – sorgt auch dieses Thema für Spannung.

Mein Eindruck:
Schon als Teenager habe ich Science-Fiction-Romane verschlungen. Das Leben in ferner Zukunft auf mehr oder weniger unwirtlichen Planeten, angesichts ungeahnter technischer Möglichkeiten, mit einem Roboter als Freund und Helfer, all das hat mich immer fasziniert. Aber selten ist eine Sci-Fi-Story so humorvoll erzählt worden, gespickt mit sarkastischen Kommentaren und auch Seitenhieben auf unsere gute alte Erde: Nachdem "exzessiver Finanzfaschismus und überbordender Kapitalismus . . . zum Niedergang Terras geführt hatten, konnte einem angst und bange werden, wenn man an die Zukunft des Mars dachte". Tja, ein durchaus aktuelles Problem. Der innere Monolog des Helden fesselt einen noch mehr als die spannende Handlung, man wird einfach süchtig nach den schnoddrigen, großkotzigen, witzigen Kommentaren des freiberuflichen Kopfgeldjägers und inoffiziellen Agenten.
Das Faszinierendste an diesem Roman ist für mich nicht die kenntnisreiche Darstellung möglicher und unmöglicher technischer Gags, die uns die Zukunft bringen könnte, sondern die Tatsache, dass die ganze Geschichte, aus der Sicht von Arkansas berichtet, höchst originell ist. Immer bemüht, sich auf die zunehmend verwickelten Ereignisse einen Reim zu machen, folgt Ark Vermutungen und Hinweisen, sieht sich aber immer wieder von seinem Gegenspieler ausgetrickst. Dennoch lässt er sich nie unterkriegen. Halb klassischer Privatdetektiv, halb Westernheld bleibt er mitten in all dem Technikschnickschnack und den Komplikationen der Zukunft ein ganzer Kerl, den man einfach mögen muss. Zumal er die beiden starken Frauen an seiner Seite stets gebührend lobt, wenn sie ihm mal wieder mal aus der Patsche helfen. Ich freue mich auf den zweiten Band!

Janco Weiland, Sturmtrupp Blau (Cydonia 2174), ca.  308 Seiten, 1,02 Euro

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