Freitag, 15. Februar 2013

Teufelszorn - Funkenfluch - ein Roman von Urs Bigler






Pater Clemens, der Abt eines Klosters, hat einen seltsamen Waisenjungen aufgenommen. Verstockt sei er, meint sein Prior, weil er kein Wort redet. Aber der Abt sieht hinter die Fassade und bringt das verstörte Kind zu der jungen Heilerin Lena, die mit ihrem Geliebten Ferdinand in einer einsamen Waldhütte lebt. Die beiden ziehen Arno wie ihr eigenes Kind auf, so dass er wieder Freude am Leben findet – und seine wahre Berufung: das Mischen von Schießpulver und das Bauen von Feuerwerkskörpern. Immer wieder besucht der Abt die jungen Leute in ihrem Versteck, wo sie gemeinsam ein alchemistisches Labor eingerichtet haben und versuchen, den Stein der Weisen herzustellen ...
Als Arno zum jungen Mann herangewachsen seine Liebe zu der schönen Mirjam entdeckt und für sie ein riesiges Feuerwerk veranstaltet, nimmt das Verhängnis seinen Lauf ...

Mein Eindruck
Vorab: Der Roman ist auf amazon.com gestrandet, wo er kaum Publikum finden wird. Falls der Autor diese Rezension liest: Auf amazon.de einstellen.
Birglers Roman besteht aus zwei Teilen: dem Idyll und der Zerschlagung des Idylls. Wer solche Brutalität nicht mag, sollte die Finger von dem Buch lassen. Inzwischen denke ich, Bücher lese ich nur wegen der Art, wie sie geschrieben sind. Wenn mich etwas stört – zu viele Adjektive, zu viel Belangloses, zu wortreiche Erklärungen für Gefühle – lege ich es weg. Dieser Roman ist schön geschrieben. Ich habe ihn gern gelesen – bis zur Zerschlagung des Idylls, dann nicht mehr.
Der Autor selbst meint, die Personen sind das Wichtigste an einem Roman. An diese Devise hält er sich, und es macht Spaß, die Welt des 16. Jahrhunderts durch die Augen seiner beiden Protagonisten zu sehen – einem Wildfang von einem Jungen mit überbordender Phantasie und einem alten Abt, der die sinnlichen Genüsse liebt und erforschen will, was die Welt im Innersten zusammenhält. Die kleine Familie aus Wahlverwandten, die sich im Waldhaus zusammenfindet, wächst einem ans Herz. Ihr grausames Ende bricht einem das Herz. Gerade deshalb ist es ein aufrüttelndes Buch, das Schopenhauers Feststellung zu belegen scheint: Das „treu geschilderte Leben des Einzelnen [zeigt], in einer engen Sphäre, die Handlungsweise der Menschen in allen ihren Nüancen und Gestalten, die Trefflichkeit, Tugend, ja die Heiligkeit Einzelner, die Verkehrtheit, Erbärmlichkeit, Tücke der Meisten, die Ruchlosigkeit Mancher“.
Am Ende dieses ersten Bands einer Trilogie steht der Held genauso da wie am Anfang – am Boden zerstört und ganz auf sich gestellt. Bleibt abzuwarten, wie es weitergeht.
Urs Bigler, Teufelszorn – Funkenfluch, ca. 213 Seiten (keine Preisangabe)

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