Donnerstag, 28. Februar 2013

Hennengeflüster - Astrid Pomaskas Roman zum Skandal



„Du verlangst tatsächlich, dass ich für dich mein Leben opfere? Nach allem, was du mir angetan hast, du Schuft!“ Else, die alte Henne, hält nichts davon, im Suppentopf zu landen. Also macht sie sich in der Dämmerung auf den Weg, um fortan in einer hohlen Hainbuche zu hausen. Zurück bleibt der schöne Gockel Pedro, der sich auf eine junge Hühnerschar freut. Doch er ist nicht der einzige, dem ein blaues Wunder blüht. Nicht viel besser ergeht es dem Hühnerfarmbesitzer Steffen nach einer Begegnung mit seiner Traumfrau ...


Zum Inhalt
Steffen muss täglich mit der Schubkarre tote Hühner aus seinen Riesenställen befördern. Die hat sich der junge Agraringenieur bauen lassen, weil er meint, die „Leute wollen billige Eier im Supermarktregal, egal woher die kommen“. Dass seine Nachbarin Angelika, die Grüne aus der Stadt, Unterschriften gegen sein Vorhaben gesammelt hat, nimmt ihr Steffen nicht übel, denn er ist nicht nachtragend,  und sie hat eben einfach naiv-romantische Vorstellungen von der Landwirtschaft. Doch als sich Steffen Hals über Kopf in Sara verliebt, findet er sich plötzlich in einem handgestrickten Schlabberpullover auf einer Tierschutzdemo wieder und wird vom Wachpersonal der Landwirtschaftsmesse zusammengeschlagen. So richtig brenzlig wird es aber für ihn, als er Sara bei illegalen Filmaufnahmen in einen Massentierhaltungsbetrieb begleitet ...
Aber das ist längst nicht alles, was auf den turbulenten 140 Seiten von Hennengeflüster passiert: Der Fuchs reißt einige freilaufende Hühner: Pedro, der Hahn, bekommt Probleme mit zickigen Legewunder-Hennen; der Bauer Erwin sorgt sich um sein Maisfeld, auf dem ein Geheimnis schlummert; Steffens Schwester sitzt mit einem gewalttätigen Mann in der Ehefalle; und, ach ja, das ganze Dorf bereitet das große Erntedank-Dorffest vor, während das Huhn Pucky eine Entdeckung macht: „Also gibt es tatsächlich diese Hölle, von der die Menschen sprechen!“
Mir als Leserin bleibt nur ein Wunsch: Würden sich doch alle Jungbauern in militante Tierschützerinnen verlieben!

Mein Eindruck
Witzig und einfühlsam beschreibt die Autorin das Sozialverhalten der Hühnervögel, die Fürsorglichkeit der Glucken Olga und Emmi, den heldenhaften Kampf des Gockels Pedro, aber auch seine Angst vor wildgewordenen Artgenossinnen. Die Abenteuer der Hühner sind eng verwoben mit dem Lieben und Leiden der menschlichen Dorfbewohner, das der Leser mit wachsender Spannung verfolgt. Und nebenbei haben wir hier die passende Begleitlektüre zum neuesten Agrarskandal um das qualvolle Dasein von Hühnern in überfüllten Ställen – dem womöglich größten „Kriminalfall ... in der deutschen Agrarwirtschaft seit Jahrzehnten“, wie der Spiegel schreibt. Dennoch ist dieser Roman ein Lesespaß – nicht nur für Tierschützer.

Astrid Pomaska, Hennengeflüster,  ca. 142 Seiten, 2,99 Euro

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen