Freitag, 22. Februar 2013

Gelderwelt I – Zukunft in Kapseln von W. Jahn



Achtung: dieses Buch ist nicht mehr lieferbar!
„Ihr Körper darf heute keinen Alkohol mehr aufnehmen!“, verkündet der Roboter-Kellner. In der Zukunftswelt, die W. Jahn in seinem Roman Gelderwelt skizziert, läuft alles nach Plan. Der Persönliche Roboter (PR) erfüllt in jeder Wohnkapsel die Wünsche und Bedürfnisse des Bewohners. Dennoch ist Keon, ein Mann Anfang dreißig, unzufrieden. Denn er ist nicht freiwillig in Plantonia, einer Riesenstadt unter einer Plastikkapsel, die sämtliche gefährlichen Einflüsse der Außenwelt abschirmt ...
Ihn bedrückt, dass er – womöglich für immer – von den Menschen getrennt ist,  die ihm am meisten bedeuten.

Zum Inhalt
Keon wurde nach Plantonia verbannt, weil er beruflich versagt hat. Ob er je nach Elega, in die Stadt der Lichter, die alle Möglichkeiten bietet, zurückkehren darf, ist fraglich. Aber wie die meisten Plantonier gibt er die Hoffnung nicht auf, zum Beispiel im Glücksspiel das große Los zu ergattern, und damit eine Rückfahrkarte nach Elega.
Die beiden Städte könnten unterschiedlicher nicht sein. In Elega herrscht Hektik, die Menschen sind berufstätig. Jeder Einwohner ist gezwungen, „ständig viel Geld auszugeben, denn das Leben dort war teuer“. In Plantonia hingegen läuft das Dasein geruhsam ab. Jeder bekommt zugeteilt, was er braucht, muss sich aber mit einem schmalen Angebot begnügen. Es gibt Trainingsräume, die Essensausgabe, Trinkräume mit Roboter-Kellnern, Kinos. Wer mehr erleben will, muss vor dem Bildschirm an den spannenderen Ereignissen in Elega teilnehmen. Keon sehnt sich aber nicht wegen der Vergnügungen nach Elega zurück, sondern weil dort seine Familie lebt, weil er nach seinem verschollenen Zwillingsbruder suchen und seine Geliebte wiederfinden will. Seine Lage scheint aussichtslos, bis ihn sein Freund, der Widerstandskämpfer Deston in seine Pläne einweiht ...

Meine Meinung
Gelderwelt ist einer der verrückten Science-Fiction-Romane, die ich liebe (bis auf das Cover, das ist verbesserungswürdig). Unaufgeregt und lakonisch wird das Bild einer Gesellschaft entworfen, die skurril und absonderlich scheint, durchsetzt mit technischen Raffinessen, erbaut auf den Trümmern all der Schlachten, die die Menschheit ausgetragen hat. Aber manches kommt einem merkwürdig vertraut vor, zum Beispiel das Bekenntnis zur Marktwirtschaft, das die Bewohner täglich ablegen – selbst jene, die wegen Untauglichkeit aus der Marktwirtschaft verbannt wurden. Oder der tägliche Konsum von stimmungsaufhellenden Mitteln. Oder das Ersatzleben vor der Flimmerkiste. Eine Geschichte, die nicht nur Denkanstöße gibt, sondern auch Lesespaß – und sie ist  erst der Auftakt ist zu einem vermutlich längeren Epos. Wir dürfen also gespannt darauf sein, was die Widerstandskämpfer alles anstellen werden, um das System zu stören.

W. Jahn, Gelderwelt I – Zukunft in Kapseln, ca. 64 Seiten, 0,89 Euro

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